Zeit beanspruchen und ‘Danke’ sagen

By ebms

Der Boden in meinem Zimmer ist übersät mit Rechnungen, Konto-Jahresabschlüssen und Krankenkassenabrechnungen, die kontrolliert und sortiert werden wollen. Vieles ist während meines dreiwöchigen beruflichen Auslandaufenthaltes liegen geblieben und sollte dringend erledigt werden. Ich bin heute Montag extra früh von der Arbeit nach Hause gekommen, um hier weiter zu machen. Leider wird mir M. aber wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Am Mittwoch kommt ihre Schwester aus Südamerika zu Besuch. M. fragt mich wer sie abholen wird, wieviel Zugbillette zum Flughafen kosten, wie man vom Parking zur Ankunftshalle kommt, wo die Autobahnausfahrten sind, ob ich nicht schon in der zweiten Arbeitswoche nach Stellenantritt etwas frei nehmen könnte um sie abzuholen, usw. Da sie mich ganz lieb fragt, kann ich ihr diese Wünsche nicht abschlagen und beschaffe mit ihr während über drei Stunden diese Informationen und diskutiere die verschiedenen Varianten.

Eigentlich sollte ich spätestens um zehn Uhr ins Bett gehen, aber nach diesen Abklärungen und einigen weiteren Dingen ist es dann auch schon wieder Mitternacht. Sie geht ins Bett ohne mir etwas zu sagen. Ich gebe mein Vorhaben (Aufräumen) für heute auf und gehe nach dem Zähne putzen usw. dann auch ins Bett. Dabei denke ich noch lange darüber nach, was heute Abend wieder passiert ist. Das ist eine typische Situation bei uns: Sie sieht nicht, was ich alles noch erledigen muss, kann meine Arbeit nicht würdigen und schätzen und hat nur ihre eigenen Dinge im Kopf, die ich dann auch noch erledigen muss.

Dabei fällt mir übrigens gerade ein, dass ich am Vormittag im Geschäft noch viele Privattelefonate mit Behörden, Rechtsauskunftsstellen und Versicherungen geführt habe, weil sie so etwas ja nicht kann (oder will).

Als ich sie dann im Bett umarme und zärtlich berühre, rastet sie wieder aus. Sie möchte jetzt nur schlafen, sie müsse früh aufstehen und ich solle bloss nicht glauben jetzt mit ihr Sex haben zu können. Wenn ich um neun Uhr gekommen wäre, sei dies etwas anderes, aber mitten in der Nacht käme das gar nicht in Frage. Dabei vergisst sie ganz, dass es wegen ihr so spät geworden ist und wer von uns beiden länger schlafen kann.

Nun muss ich auch noch aufstehen und meine Gedanken in diesem Blog festhalten. Mittlerweile ist es Viertel nach zwei in der Nacht, ich muss in ein paar Stunden wieder aufstehen und werde morgen im Grossraumbüro vermutlich einschlafen, während Kunden an mir vorbeilaufen. Das macht sich sicher gut an einer neuen Arbeitsstelle während der Probezeit.

Da fällt mir ein, dass sie sich für meine Bemühungen auch noch nicht einmal bedankt hat.

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