Heute bin ich nicht im Büro eingeschlafen, entgegen meinen Befürchtungen von gestern. Vielleicht haben die Drogen gewirkt (Koffein), obwohl das sonst bei mir eigentlich keinen Effekt hat.
Im Geschäft ist jetzt eine ziemlich hektische Zeit. In den nächsten Wochen soll das neue Programm aufgeschaltet werden, obwohl wir jede Menge Probleme haben. Wie es mit unserer Abteilung weiter geht nach dem Management-Wechsel kann momentan niemand sagen, usw. Aber das alles interessiert M. ja überhaupt nicht. Wenigstens liest diese Zeilen hier vielleicht jemand.
Als ich heute nach Hause gekommen bin, treffe ich ziemlich chaotische Verhältnisse an. Die Wohnung ist in einem totalen Durcheinander. Aber wenigstens gibt es Nachtessen (Salat). Viel schlimmer als die Ordnung ist aber der Zustand der Anwesenden. M. ist auf Grund der Überforderung dem Heulen oder Losschreien nahe. D. wirkt etwas apathisch. Anscheinend sei er vom Hochbett heruntergestürzt. M. war nicht dabei, als es passierte.
D. ist schon einmal auf den Kopf umgefallen und wir mussten mit ihm über Nacht zur Beobachtung im Spital bleiben. M. hat dies wieder befürchtet und möchte lieber aufräumen, damit sie sich besser fühlt (ihre Schwester kommt ja morgen). Auf keinen Fall möchte sie sich jetzt um ihn kümmern. D. schläft fast ein, obwohl es noch nicht so spät ist.
Schon wieder muss ich mich um alles kümmern. Mein Anruf auf der Kindernotfallstation entlastet wenigstens: er solle ruhig einschlafen. Wir sollen ihn aber beobachten und bis Mitternacht noch mindestens zwei Mal wecken. Bei auffälligem Verhalten, oder bei Erbrechen müssten wir aber vorbeikommen.
M. war heute bei ihrem Hausarzt für ihre Jahreskontrolle. Anscheinend seien die Werte für die Schilddrüse etwas erhöht. Man könne aber noch etwas zuwarten und sie solle sich ihre Lebensumstände anschauen. Jetzt fällt ihr auf, dass sie eigentlich ganz krank ist: sie habe vier Kilogramm abgenommen, Nachtschweiss, Herzrasen, usw. Nach dem Befund hat sie sich im Internet über alle möglichen und unmöglichen Erkrankungen informiert. Jetzt ist sie natürlich schwer krank und wie immer bin ich schuld daran. Ich solle ihr jetzt sofort alle ihre Probleme lösen.
Sie fragt mich, wie ich sie entlasten möchte und ihre Situation verbessern könne. Als ich ihr als ehrliche Antwort gebe, dass „vieles von ihr selbst abhängt“ – dazu vielleicht ein andermal mehr (ich glaube sie macht sich selbst viel Arbeit) – ist sie zutiefst beleidigt und verschwindet mit irgend einem Kommentar von „wir trennen uns“ ins Zimmer des schlafenden D.
In der Zwischenzeit beschäftige ich mich mit J., die ich ja auch den ganzen Tag nicht gesehen habe. Sie freut sich jedes Mal, wenn sie bei mir sein kann, im Gegensatz zu D., der momentan hauptsächlich an seiner Mutter klebt - oder zumindest, wenn sie einigermassen gut gelaunt ist.
Später am Abend gibt es noch eine zweite Auseinandersetzung, da ich das Geld zurückverlangt habe, das sie während meiner beruflichen Abwesenheit aus dem Büro entnommen hat. Wir haben Schwierigkeiten mit unserem Budget auszukommen, obwohl ich wirklich nicht schlecht verdiene. Wir haben ein Budget, bei dem jeder von uns gleich viel Taschengeld+ erhält und den Rest geben wir gemäss Budgetplan aus. Da geht es natürlich nicht, dass plötzlich Geld einfach so verschwindet. Wenn sie es für etwas ausgegeben hat, wofür wir im Budget etwas vorgesehen haben, bzw. sonst gemeinsam die Entscheidung fällen, wofür wir es ausgeben wollen, dann können wir natürlich die Bargeldreserve nehmen – aber die Buchhaltung muss stimmen. Wir können dann zu einem späteren Zeitpunkt solche Sonderausgaben noch besprechen. Sie ging übrigens dafür zwei mal mit Freundinnen essen - meines Erachtens wäre dafür ihr Taschengeld vorgesehen und nicht das Geld, das für unseren gemeinsamen Ausgang geplant war. Aber in einer Besprechung kann man natürlich auch darüber reden.
Jetzt stimmt zwar die Kasse wieder, aber mit ihr ruhig reden wird jetzt wohl auch nicht mehr gehen. Zumal sie jetzt auch schon wieder ohne etwas zu sagen ins Bett gegangen ist. Es ist jetzt auch schon wieder nach Mitternacht, nachdem ich all die vielen Dinge für uns erledigt habe. Ich möchte nur einmal nach Hause kommen, Nachtessen können und dann einfach Zeit für mich haben. Offenbar ein Ding der Unmöglichkeit.
Soll ich morgen Mittwoch wirklich ihre Schwester vom Flughafen abholen, nachdem sie mich gestern und heute so behandelt hat?
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